The Story and the Writer

This is the story of a story that did not want to be a story. When it found out about the position it was assigned to, the story became depressed and cried for justice. Nobody had asked the story whether it would like to be a story, no, somebody outrageously took a decision that would affect its entire life and made it to what it was now. The story began to question its existence. Was it fair that it was here? Was it fair to have to do all the tasks that its state of  storydom automatically brought with it? Also, what was its use?

The story shot two envious glances at her best friends the suitcase and the dollar bill. Both were constantly on the run – they were always travelling. Sometimes they’d travel together (they were happily married) and sometimes they’d travel separately for business trips. The story would have loved to travel and see places and people. It became even more frustrated about the position it was put in and started to rebel against the one it blamed for its misfortune – the writer who had decided to make it what it was – a story. One day, when the writer was in his final touches, the story confronted him.

“Why did you write me”? it said. The writer smiled. “Well, you know,” he said ,”Writing is my favourite thing to do. It is everything I love. You, the story, are the essence of my soul put to paper. Certainly, to yourself you might be of little use but do not forget that you are a part of me. And when you are finished”, the writer added, “I will release you into this world – don’t be miserable. “What about the suitcase and the dollar bill?” the story looked at the writer and its look was full of blame. “They do get around the world a lot, this much is true, but take a look at the strains and hardships they go through. Take for one, the suitcase. Nobody questions a suitcase or loves a suitcase. A suitcase is just there because it is used by people for their own selfish purposes.

Just imagine the amount of time that is spent in an obscure, tight room with hundreds of other suitcases? It is anything but a pleasure! The story nodded and the writer continued his story. “The dollar bill is not loved either. It is simply a simbol.  A symbol for power. And people are greedy and people love power. It is not the dollar bill itself that is loved, it is the power it represents. Also, look at this poor depressive guy with sunk eyes: people have made the dollar bill responsible for everything bad in the world, starting with war, murder, corruption and hunger. I know that the grass always looks greener on the other side but look at him, whose self-confidence has been destroyed irreparably. He believes in all the things that people say about him.

You, on the other hand, will always be loved by me because I created you and put a piece of myself into you. You are unique and perfect to me. You shall never struggle with doubt again if you remember my words. And not only this is the case! I will send you out, out into this world, where you will make many people very happy. And they will love you and they will learn from the words you are written of. You will be appreciated for what you really are and I can imagine the suitcase and the dollar bill being very envious of you. The writer finished his story.

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Der Abschiedsbrief

Wie sieht ein perfekter Abschiedsbrief aus?

Im Laufe meines Lebens habe ich schon zu viele Versuche unternommen, meinen Abgang gebührend mit Melodramatik und Vorwürfen an meine Umwelt zu würzen, bin jedoch stets kläglich an meinem unüberwindbarem Perfektionismus gescheitert, der mich üblicherweise davon abhält, meine Pläne in die Tat umzusetzen, da die unvermeidliche Enttäuschung über das Resultat mich unweigerlich in eine tiefere Depression stürzen würde als die Tatsache, dass meine Umwelt für gewöhnlich äußerst pikiert und verständnislos auf mein Verhalten reagiert.

Ich vermochte es niemals, mich damit abzufinden, dass die Perfektion in der Praxis lediglich eine Illusion ist und besänftigte mein Gemüt damit, dass es stets einen Neuanfang gibt, an dem man die vorherigen – unverzeihlichen – Fehler ausbessern kann. Meine Logik schließt also, dass mein Leben, welches ich als einen groben Fehler sehe, der wohlgemerkt durch Fremdverschulden verursacht wurde, möglichst beendet werden sollte, bevor ich weitere 50 Jahre lang auf meinen wohlverdienten Tod warten muss.

Weder habe ich Mutter Erde darum gebeten, mich auszuspucken noch habe ich die ersten 18 Lebensjahre absichtlich danach getrachtet, den animalischen Zweibeinern, die  mich umgeben, zur Last zu fallen. Denn eine wichtige Erkenntnis habe ich im Laufe meines Lebens gemacht – nicht Selbstmord (ich wähle bewusst keine euphemistischen Worte, da ich diese Lügengebilde immer aus tiefstem Herzen verabscheut habe) ist egoistisch, egoistisch ist der Anspruch auf Leben den man stellt, sobald man auf diesem Planeten geboren wird.

Was erlauben wir uns eigentlich, dass wir uns einbilden, existieren zu dürfen, anwesend sein zu können, so einfach geboren werden zu können in diese Welt? Sauerstoff einzuatmen, auf den wir kein Anrecht haben, uns auf selbstsüchtige Weise von Pflanzen und Tieren zu ernähren, die für uns ihr Leben lassen und unsere Spuren zu hinterlassen – der bloßen Existenz wegen! Es ist eine Schande! Demnach ist Selbstmord wohl der selbstloseste Dienst, dem man dem Planeten – nicht so sehr den zuvor erwähnten animalischen Zweibeinern darauf – erweisen kann.

Warum schreitet die KLIMAERWÄRMUNG weiter voran? Der animalische Zweibeiner ist schuld, was sollen die gezielten Beschönigungen jener, die wirtschaftliche Interessen vertreten? Selbstverständlich ist man bestens informiert über das Klima und ist entrüstet, jedoch ähnelt die Entrüstung jener Faszination, die man Science-Fiction-Literatur entgegenbringt. Im Endeffekt erscheinen die Fakten, die man in den Büchern liest und in den Medien hört, zwar bedrohlich, aber realitätsfern.

Man nimmt sie zwar wahr, aber  realisiert sie nicht. Wäre man in der Lage, den Ernst der Lage und die damit verbundenen Konsequenzen zu erkennen, würde man das Klima nicht verdrängen wie einen lästigen Gedanken um wenige Momente später wie gewohnt seinem üblichen Konsumverhalten zu frönen wie ein dummes Tier, das nicht handlungsfähig ist, weil es blind auf (korrupte) oder unfähige Regierungen vertraut, die die „Angelegenheit“ (die Bagatelle) schon für sie regeln werden.

Spricht man ein dummes Tier dann auf sein Verhalten an, zuckt es üblicherweise mit den Schultern, murmelt monoton „Was kann ich als einzelner schon machen“, klappt den Mund zu und verweilt stumm wie ein Spielzeugfisch, dem man lediglich diesen einen Satz eingeimpft hat und den man, wenn man über leicht sadistische Züge verfügt, liebend gerne im Aquarium der Welt ertränken würde. (Meine offenkundige Misanthropie verleitet mich des öfteren dazu, abzuschweifen. Verzeihung) FALSCH.

Es scheint eine weit verbreitete Meinung zu sein, dass Veränderung lediglich Wirkung zeigen kann, wenn sie im Großen beginnt. Es ist Zeit, die Ohren zu spitzen, ihr dummen animalischen Zweibeiner! Ihr seid nicht ohnmächtig! Veränderung beginnt dort, wo ihr beginnt, euer Leben in die Hand zu nehmen, euch mit den Fakten auseinanderzusetzen und den Willen zu zeigen, etwas zu ändern. Es fängt dort an, wo ihr eigenständig denkt anstatt euch auf Regierungen zu stützen und beginnt, ein positives Vorbild für eure Kinder zu sein indem ihr handelt! Denn es erfordert keine Helden der Worte, so wie man es von den allermeisten Politikern kennt, die einen bloß auf ein Morgen vertrösten, das nie eintrifft. Es bedarf Helden der Taten, die sich nicht scheuen, ihre Prinzipien wirksam zu machen!

Damit ist aber mein Problem noch nicht geklärt! Die Existenzfrage!

WIESO/WOFÜR ZUM TEUFEL EXISTIEREN WIR?

Ich weiß es nicht. Ich scheitere an der Frage.

Für die einen sind wir einfach im Zuge der Evolution entstanden und sind nun einfach da wie Variablen in einer Gleichung. Was aber steckt hinter der Evolution? Was ist der Grund dafür? Hat sich die Evolution gedacht: „Oh, ich setze mal eben ein paar Milliarden Menschen in die Welt, die hoffentlich nie auf die absurde Idee kommen, ihre Existenz zu hinterfragen“ oder wie ist das abgelaufen?

Außerdem…Wie lässt es sich erklären, dass es in London Mittag ist, während es in Vancouver noch Nacht ist? Diese Tatsache erscheint so alltäglich und selbstverständlich, jedoch erstaunt sie mich immer wieder aufs Neue. Wieso ist das so? Natürlich erklärt die Zeitverschiebung, wieso die Uhr eine andere Zeit anzeigt, jedoch ist mir die Tatsache schier unbegreifbar, dass während die Welt in Europa schlafen geht, anderorts die Sonne dabei zusieht, wie das Leben neue Geschichten schreibt. Und wer schreibt sie eigentlich, diese Geschichten? Sind das die animalischen Zweibeiner, die sich jeden Tag aufs Neue erfinden? Oder ist das dieser große unbekannte Geist, den man Gott nennt?

Gott gibt es nicht. Man hört und sieht ihn nicht.

Existieren Dinge nur dann, wenn ich sie sehen kann? Darf ich die Existenz aller anderen Dinge, Menschen und Tiere leugnen, wenn ich in mich in einer Kammer ohne Fenster befinde?

Spätestens seit der Relativitätstheorie weiß ich, dass Raum und Zeit keine Universalgrößen sind und dass all jenes, das sich außerhalb der Erde befindet, meine Vorstellungskraft übersteigt. Wenn ich dummer, animalischer Zweibeiner, der zu einem irdischen Dasein verdammt ist, sich mit der Gravitation herumschlagen muss und lediglich auf drei Dimensionen beschränkt ist, mir also einbilden würde, ich besäße Wissen, das über das Universum hinausgeht, dann müsste ich mich für meine eigene Arroganz schelten.

Die Existenz Gottes ist also weder bewiesen noch wiederlegt.

Wie sieht es nun aus mit Liebe, ist das der Grund für unsere Existenz?

KINDERARBEIT! ZWANGSPROSTITUTION! MENSCHENHANDEL! KRIEG!

Der animalische Zweibeiner ist blind, dumm, arrogant, taub, naiv und findet sich scheinbar ohnmächtig mit Ungerechtigkeiten konfrontiert.

Er denkt, er besitzt die Fähigkeit, eigenständig zu denken, dabei gibt er lediglich aus einer Palette vorgefertigter, maßgeschneideter Statements unreflektiert jene wieder, von denen er meint, dass sie auf ihn zutreffen. Dann fühlt er sich schön eigenverantwortlich und selbstzufrieden. Es fehlt ihm jedoch an der Verantwortlichkeit, seine Prinzipien in die Tat umzusetzen. Er vertraut lieber darauf, dass er durch den Gebrauch des Wahlrechts die eben erwähnten vorgefertigten Meinungen in jener Weise einbringen kann, um zu seinem Vorteil Einfluss auf das politische Geschehen zu haben,  ist besänftigt solange seine Bedürfnisse befriedigt sind und gibt sich wieder dem blinden Vertrauen hin.

Ich hasse es….

wenn Menschen ihre Meinungen und Prinzipien freiwillig dem Gruppenzwang unterwerfen,  schon wo es um belanglose Dinge geht.

Ich hasse es…

dass sich die animalischen Zweibeiner zu unreflektierten konformen Robotern entwickeln, die sich niemals gegen Autoritäten auflehnen, weil ihnen eingetrichtert wurde, dass diese Form von Kritik verpönt ist. Nein, Freunde. Niemand ist ohnmächtig. Jemand muss es bloß wagen, den ersten Schritt zu machen.

Die Liste

Alle Jahre wieder leitet der Technoremix eines bekannten Weihnachtsliedes offiziell die stillste Zeit des Jahres und die damit eröffnete Jagd auf das perfekte Weihnachtsgeschenk ein.

Da werfen gestresste Menschen in einem Anflug von Winterdepression Pakete mit zerbrechlichem Inhalt  durch die Luft und versuchen, sich in dem Menschensalat, der nach Materiellem drängt, keine blauen Flecken zu holen.

Inmitten dieses Weihnachtstrubels schlendert ein kleiner Junge durch den Supermarkt, die ellenlange Einkaufsliste seiner Mutter halb zerknüllt in der einen Hand haltend und mit der anderen unbesorgt einen leeren Einkaufswagen vor sich hin bugsierend, den er kaum überragt.

Unbeschwert pfeift er laut und falsch zu der Melodie des Weihnachtsliedes, das soeben aus überdimensionalen Lautsprechern das weihnachtliche Shoppingohr zwangsbeglückt und erfreut sich an dem Duft von Lebzelten und Tannennadeln.

Offizielle Herren in ebenso offiziellen Anzügen, aus denen dicke Portemonnaies ragen, haben vor Eile hochrote Köpfe und drängen sich an dem Knaben vorbei, nicht ohne ihn und seine Unbekümmertheit mit hektischer Verachtung zu strafen.

Das Kind besinnt sich seiner ursprünglichen Aufgabe und streicht den Zettel in seiner Hand glatt, um langsam und stockend halblaut vorzulesen „Eine Dose Frieden“.

Das Papier wird wieder gefaltet und verschwindet in der Hosentasche des kleinen Einkäufers. Dieser setzt sich daraufhin in Bewegung, um Ausschau nach dem Frieden zu halten und wendet seinen Kopf, währenddessen er den viel zu großen Einkaufswagen einen Gang nach dem anderen auf- und abschiebt, nach allen Seiten, wird jedoch sehr zu seinem Leidwesen nicht fündig.

In diesem unübersichtlichen Meer von Regalen macht sich in dem Jungen rasch Ungeduld breit. Deshalb wendet er sich an einen autoritär wirkenden Mann in einem langen, weißen Kittel und einem bis an den Boden ragenden, glänzendem weißem Bart, dessen Brille aus dem vorigen Jahrtausend ihm beinahe von der langen, spitzen Nase fällt.

Das Kind mustert den Mann, der ihm beinahe den Rücken kehrt, mit großen Augen. Sein Blick fällt auf das Schild an dessen Kittel. „Filialleiter Gottfried“ steht hier in offiziellen Buchstaben. Daneben hat jemand mit zittriger Hand das kaum lesbare Wort „pensioniert“ gekrakelt.

Als habe er den Blick des Jungen gespürt, murmelt der Mann in monotonem Tonfall, ohne seinen wachsamen Blick vom regen Geschehen im Supermarkt zu wenden, „Darf ich dir irgendwie behilflich sein“? Er sagt es, als habe er diesen Satz schon tausendmal heruntergeleiert und noch niemals seinen Sinn verstanden.

„Ich hätte gerne eine Dose Frieden“ antwortet das Kind, währenddessen es noch immer an dem Manne hochsieht.

„Eine Dose Frieden“ Der Mann im weißen Kittel scheint aus seiner Teilnahmslosigkeit zu erwachen und schiebt mit seinem knorrigen Zeigefinger die Brille an ihre korrekte Position. Er wendet sich in die Richtung des Jungen und wiederholt erneut „Frieden“? als habe er sich verhört. Das Kind nickt vorsichtig. Der Mann hält eine Sekunde lang inne, als würde er überlegen und verschwindet danach hinter einer wie aus dem Nichts aufgetauchten Tür. Wenige Augenblicke später kehrt er zu dem verwunderten Jungen zurück.

Ein Hauch von Mitleid zeichnet sich auf den harten Gesichtszügen des Mannes ab. „Frieden ist ausverkauft. Tut mir leid. Die nächste Lieferung kommt erst am Donnerstag“. Der Knabe senkt traurig den Blick. „Ist nichts zu machen“. Der Mann zuckt hilflos mit den Schultern.

„Kann ich dir sonst noch irgendwie weiterhelfen“? fragt er den Knaben in seinem ursprünglichen Tonfall. Sein Unterton verrät, dass er keineswegs Lust dazu hat. „Ich suche nach Ehrlichkeit“ meint der Junge in kindlicher Unschuld.

Der Mann im weißen Kittel bricht in schallendes Gelächter aus, so dass die Brille auf seiner Nase in rhythmischen Abständen auf und ab tanzt. „Da kannst du lange suchen, mein Junge“ Der Mann klopft dem verwirrten Knaben väterlich auf die Schulter. „Ehrlichkeit. Ha. Nach Ehrlichkeit hat schon lange Zeit niemand mehr gefragt. Die ist heutzutage Mangelware“. –

„Wie steht es mit…“ Der Kleine scannt verzweifelt seine Liste, „wie steht es mit Freundlichkeit“? Der Mann im weißen Kittel zieht seine Mundwinkel in einem gescheiterten Versuch zu lächeln nach oben, deutet mit seinem knochigen Arm in eine unbekannte Richtung und murmelt kaum vernehmbar „Feinkostabteilung“. Daraufhin dreht er sich kopfschüttelnd am Absatz um und verschwindet erneut. „Feinkostabteilung“ wiederholt der Junge ungläubig und reiht sich hinter einer langen Schlange von Menschen ein, die hungrig nach Freundlichkeit sind.

Als er schlussendlich an der Reihe ist, gibt er seine Bestellung ab. „350 g Freundlichkeit. Fein geschnitten, bitte“. Die Mutter hatte dem Jungen eingeschärft, die Freundlichkeit sorgfältig zu portionieren, um das Wochenende im Hause erträglicher zu gestalten.  Diese war besonders vonnöten, wenn alle Tanten, Onkeln und sonstigen Verwandten, die sich zwangsweise einmal im Jahr die Ehre gaben und sich dessen durchaus bewusst waren, auf ein Gesprächsthema stießen, das den Weihnachtsfrieden und die damit verbundene Gesundheit der schon leicht angeschlagenen Senioren gefährden könnte.

Die Frau hinter dem Tresen händigt dem Jungen seine Bestellung aus und deutet ihm mit einem unwirschen Fingerzeig, Platz für die nächste Kundschaft zu machen. Dieser legt also die Freundlichkeit in seinen Einkaufswagen und wirft einen weiteren Blick auf seine Liste. „Menschlichkeit“.

In diesem hell erleuchteten Meer von Regalen, in dem ein Sonderangebot das andere jagt, sucht der Junge mit dem Einkaufswagen nach der Menschlichkeit. Gedankenverloren wandert er durch unbekannte Gänge und nimmt es kaum zur Notiz, dass das Licht mit der Zeit immer spärlicher wird. Erst, als er sich in pechschwarze Dunkelheit ummantelt wiederfindet, bekommt er es mit der Angst zu tun.

Als sich seine Augen etwas an die furchterregende Schwärze gewöhnt haben, spekuliert der Knabe, dass er sich nun wohl in einem Lager verirrt haben müsse, denn hier war offensichtlich seit Jahren niemand mehr vorbeigekommen. Dies merkt man daran, dass der Staub am Fußboden schon knöchelhoch steht und auch die Nase dementsprechend oft zum Gruße auffordert.

Die Illusion von Tageslicht kehrt just in diesem Moment wieder zu dem Jungen zurück. Er kehrt und wendet sich nach allen Seiten um festzustellen, wer ihm so plötzlich diesen Gefallen getan hat, erspäht jedoch niemanden. Etwas irritiert, doch erneut beflügelt durch seine ursprüngliche Mission, bläst er Staub vom untersten Regal, vor dem er sich soeben positioniert hat, was zur Folge hat, dass ein ganzer Schwarm verärgerter Fledermäuse ihre Behausung verlässt.

Ganz hinten, dort zwischen den Spinnenweben, befindet sich die Menschlichkeit, die traurig auf jemanden wartet, der sie nach Hause mitnimmt. Das Kind wischt beinahe liebevoll den fingerdicken Staub von der Menschlichkeit und packt sie behutsam in den Einkaufswagen, gleich neben die Freundlichkeit.

Ein Blick auf seine Liste verrät ihm, dass bloß ein letztes Gut auf seiner Liste fehlt. „Liebe“

„Liebe wirst du hier, in meinem Supermarkt nicht finden, mein Junge“ ertönt plötzlich eine wohlbekannte, etwas monotone Stimme. Wie vom Blitz getroffen wendet sich das Kind in die Richtung des Sprechers und ist nicht wenig erstaunt, Filialleiter Gottfried vorzufinden.

„Wo aber finde ich dann die Liebe?“ fragt der Einkäufer mit einer Mischung aus Neugierde und Ungeduld. „Wahrscheinlich nirgendwo. Sie ist viel zu wertvoll und noch dazu unverkäuflich“.

Das Gesicht des Kindes zeigt deutliche Verzweiflung. „Aber wenn du sie wirklich finden willst“, beschwichtigt Filialleiter Gottfried, „dann beginnst du am Besten in dir selbst zu suchen. Es ist gar nicht so schwer“. Das Gesicht des Kleinen beginnt, sich aufzuhellen. „In diesem Sinne, ein frohes Weihnachtsfest“ So schnell, wie der Mann gekommen ist, ist er auch wieder verschwunden. Verwundert den Kopf schüttelnd, aber mit dem alten Anklang von Festivität, schiebt das Kind den Einkaufswagen zur Kassa.

Der Gutmenschkreislauf

Der nach Skandalen lüsternde Durchschnittsmensch schlägt das Boulevardblatt auf, um sich an Artikeln wie „Rachsüchtiger Liebhaber ersticht schwangere Frau“ zu ergötzen. Mit einer gewissen Schadenfreude verfolgt er im Fernsehen mit, wie dem Übeltäter öffentlich der Prozess gemacht wird und schüttelt mit gespielter Entrüstung und einer gewissen Portion Abgestumpftheit den Kopf.

Mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit vertraut er dann darauf, dass der rachsüchtige Liebhaber dingfest gemacht und hinter schwedische Gardinen verfrachtet wird. Daran, dass dieser schuldig ist, zweifelt er angesichts der Tatsachen keine Sekunde und über die Hintergründe zerbricht er sich nur in den seltensten Fällen den Kopf.

Das Mitgefühl sitzt mit verschränkten Armen in der Ecke und schmollt, denn diese arrogante Selbstgefälligkeit hat es von seinem Platz verdrängt. Es raunt dem Durchschnittsmenschen verschwörerisch ins Ohr, dass er ein guter Mensch ist. Gute Menschen können stolz auf sich sein. Selbstzufrieden klopft sich der Durchschnittsmensch metaphorisch auf die eigene Schulter.

Dass der rachsüchtige Liebhaber einst ein lüsternder Durchschnittsmensch war, der sein Boulevardblatt auf der Suche nach Artikeln wie „Rachsüchtiger Liebhaber ersticht schwangere Frau“ aufschlug, kommt niemals ans Tageslicht.

Ein neuer Tag bringt einen neuen Skandal. Der kalte Kaffee von gestern interessiert heute kein Schwein mehr.

Aus den Augen ist aus dem Sinn.

Die Mauer

Eigentlich wurdest du gerade erst geboren. Man hat dich soeben aus dem heimeligen Mutterleib hinaus in die kalte Welt geworfen.

Du hast deinen ersten Schrei getan. Mit diesem ersten Schrei, dem ersten Schritt in die neue Welt, hast du eine Mauer hinter dir aufgebaut.

Diese Mauer, die dich von deiner pränatalen Vergangenheit trennt, kannst du nicht mehr einreißen. Dein Weg kann nur mehr vorwärts gehen.

In der Ferne vernimmst du gerade noch die Umrisse einer zweiten Mauer. Diese symbolisiert das Ende deiner Reise. Hast du die Mauer einmal erreicht, wird es keinen Weg zurück und auch keinen mehr nach vorne geben.

Du brauchst gar nicht erst versuchen, die Mauern einzureißen, es wird dir nicht gelingen! Du kannst weder in den Mutterleib zurück, noch kannst du dem Tod entrinnen!

Trotzig wirst du entgegnen, dass keiner dich gefragt hat, ob du in diese Welt willst, und dabei geht es doch um dein Leben. Denn schließlich, so denkst du, gehe ich, auch wenn viele dieselbe Richtung einschlagen, denn Weg doch alleine.

Und seit du begonnen hast, dich mit deiner Mortalität zu beschäftigen, hast du ständig dieses Ticken im Ohr. Dieses Ticken ist wie ein Tinnitus. Du wirst es nicht mehr los. Wenn du nachts in deinem Bett liegst, um zum Sklaven des Schlafes zu werden, hält es dich wach. Wenn du die Straße entlanggehst, scheint es dich in seiner Beharrlichkeit höhnisch auszulachen, wie um auf die Mauer hinzuweisen, die mit jedem Schritt, den du gehst, ein Stückchen näher rückt. Es ist die Uhr der Zeit, die den Countdown deines Lebens symbolisiert.

Als du jung warst, hattest du geglaubt, die Zeit sei unendlich. Du wolltest sie totschlagen, sie vertreiben, du wolltest die Welt sehen, Karriere machen, eine Familie gründen und den kleinen und großen Problemen, die sich einem tagtäglich stellen, aus dem Weg gehen. Du warst naiv, damals. Du meintest, ewig jung zu bleiben und zerbrachst dir nicht den Kopf über unwichtige Details wie die Zeit oder gar den Tod.

Als die Tage und Jahre vergingen, deine Haut nicht mehr so straff wie früher war und das Haar auf deinem Haupte kärger wurde, schwelgtest du in Gedanken und Erinnerungen an vergangene Zeiten.

Eben stecktest du ja noch in den Kinderschuhen. Du zähltest nicht mehr als sieben Jahre und saßest lachend auf einem Steine in der warmen Mittagssonne. Eben würde deine Mutter- Gott hab sie selig- dich zum Mittagessen rufen. Ohne einen Gedanken an das Morgen zu verschwenden, würdest du das liebevoll zubereitete Essen zu dir nehmen. Damals, als du noch essen konntest, was du wolltest, ohne zuzunehmen…

Die Mauer, die heute gefährlich nahe vor dir steht, schien damals noch in unerreichbarer Nähe.

Die Uhr auf deiner Schulter wirft dir auf deinem ohnehin schon schweren Weg noch Steine zwischen die Beine. Da du alt und nicht mehr so gut auf deinen Füßen bist, stolperst du und fällst. Die Uhr auf deiner Schulter lacht höhnisch. Sie lacht und ihr Lachen schwillt an und wird zu einem ohrenbetäubenden Lärm, der dir durch Mark und Pein dringt. Du hältst beide Ohren zu und versuchst, das Lachen zu ignorieren, doch vor deinem inneren Auge siehst du die Uhr schon die Messer wetzen.

Auf dem Boden liegend fragst du dich verzweifelt, was mit dir geschehen wird, sobald du die Mauer erreicht hast.

Du weißt, dass du den Tod nicht vermeiden kannst. Du musst dich langsam damit anfreunden, dass du nicht unsterblich bist. Du schüttelst den Kopf, wie um den Gedanken zu vertreiben. Du willst nicht daran denken. Das Thema ist dir unangenehm. Es macht dir Angst. Du hast Angst vor dem Ungewissen. Angst vor dem, was danach kommt.

Bei dir denkst du dann, der Mensch hat so vieles erreicht. Er kann das Wetter vorhersagen, er kann in wenigen Stunden von einem Kontinent zum anderen reisen, er kann sich fortbewegen, ohne sich auch nur im geringsten bewegen zu müssen, er hat entlegene Orte bereist und Krankheiten kuriert, doch…niemand hat je herausgefunden, was sich hinter der Mauer befindet. Wer einmal auf der anderen Seite war, ist nie wieder zurückgekommen.

Betrübt denkst du an all die materiellen Güter, die du im Laufe deines Lebens gesammelt und lieb gewonnen hast. Natürlich musst du alles zurücklassen. Deine gesamten weltlichen Schätze werden dir dort, hinter der Mauer, nichts bringen.

Den Tränen nahe pflückst du eine verwelkte Rose. Auch die Rose entstand einst aus einem Samen, genau wie du.

Als die Rose in voller Blüte stand, hatte sie Insekten durch ihren Duft betört und die Menschen durch ihr Aussehen glücklich gemacht. Die Blüte des Lebens- geht es dir durch den Kopf. Du fragst dich, ob jedes Lebewesen und jede Pflanze auf der Erde eine Aufgabe in diesem Leben hat. Dies führt dich zu der Frage, welche wohl deine Aufgabe war. Du gehst noch einen Schritt weiter und erschrickst bei dem Gedanken, dein Dasein könnte keinen Zweck erfüllen und du seiest lediglich das Produkt eines tierischen Triebes.

Dieser Gedanke jagt dir höllische Angst ein. Er vermittelt dir einen Sinn von Unsinnigkeit und lässt dich melancholisch werden.

Nun liegt sie da, die Rose in deiner Hand. Es ist kein Leben mehr in ihr. Die Rose macht dich traurig. Zeigt sie dir doch, dass alles auf Erden vergänglich ist. Behutsam legst du sie zurück auf die Erde.

Viele Leute, denkst du, leben um zu arbeiten. Sie haben einen konkreten Tagesablauf, weil sie Angst vor der Veränderung haben, oder sie die Routine liebgewonnen haben wie einen alten Freund. Diese Leute, denkst du, haben das Ticken der Uhr auf ihrer Schulter vergessen oder es bis jetzt einfach erfolgreich ignoriert.

Doch irgendwann  werden sie in den Spiegel sehen und feststellen, dass sie dreißig Jahre älter geworden sind. Betäubt vor Schock werden sie feststellen, dass sie, anstatt ihr Leben zu leben und die kostbare Zeit auf der Erde zu genießen, sie an völlig weltliche Dinge verschwendet haben. Dir ist es doch genauso ergangen.

Du startest einen weiteren Versuch, die Zeit auszutricksen, drehst dich mitten auf der Straße um und läufst rückwärts. Doch sogar wenn du rückwärts läufst, läufst du eigentlich nach vorne. Die Mauer kommt bedrohlich nahe. Außer Atem merkst du, wie deine Lebenssäfte langsam versickern. Die Mauer befindet sich nun direkt vor dir. Du nimmst einen letzten Atemzug, saugst deine Lungen voll mit Leben. Dann brichst du in dich zusammen und fällst zu Boden. Du denkst nicht mehr. Du siehst und fühlst und hörst nichts mehr. Die Uhr ist stehen geblieben. Langsam steigt dein Geist aus deiner toten, weltlichen Hülle. Du siehst dich da unten auf der Straße liegen, dein starrer Blick richtet sich auf die Uhr in deiner Hand.

Jemand berührt dich sanft und geleitet dich hinter die Mauer…

Was ist Liebe?

Was war es, das ihr im Unterbewusstsein immer ein Lächeln auf die Lippen zauberte, wenn sie seinen Namen hörte? Woran lag es, dass ihre Augen bei der bloßen Erwähnung seines Namens einen seltsam verträumten Ausdruck annahmen? Weswegen färbten sich ihre Wangen zartrosa, wenn er nur in ihre Richtung blickte? War es so etwas wie Liebe? Und was brachte den Funken in ihren Augen so plötzlich wieder zum Erlischen, wie er gekommen war?

Sie fragt sich: Was, ja was ist Liebe? Es ist nicht nur die Liebe zu einer Person. Es ist ebenso die Liebe zur Musik. Zur Flora und Fauna, und die Liebe zu Gott, die viele Menschen verbindet. Liebe Ist voller Höhen und Tiefen. Es ist ein Gefühl gleich einer Achterbahnfahrt. Einen Moment lang glaubt man, zu schweben, im Nächsten kommt der harte Aufprall und man ist ganz unten. Sie fragt sich: Wie, ja wie Ist Liebe?

Liebe kann unendlich schön sein, aber auch sehr wehtun. Liebe gibt einem Kraft oder raubt einem die Sinne. Sie ist sowohl grausam als auch wunderschön. In einem Moment scheint die Welt stillzustehen, im Nächsten ist alles, was du willst, dass dieser Schmerz endlich vorübergeht.

Liebe ist vergänglich. Sie ist vergleichbar mit der Schönheit einer Rose. Sie entfaltet ihre Blüte in strahlender Pracht und erweckt Trauer in dir, wenn sie verblüht. Liebe ist unheimlich vielseitig. Sie vereinigt Gegensätze und verbindet zwei Menschen durch ein inneres Band. Liebe erkennt man nicht auf den ersten Blick. Sie ist wie ein Bild, das viele Emotionen verbirgt. Wenn man auch auf den ersten Blick nichts erkennen kann, wird man von seiner Schönheit überwältigt werden, wenn man sich nur Zeit nimmt, um genauer hinzusehen.

Liebe ist wie ein gutes Buch, dessen Faszination man erst entdeckt, wenn man ein paar Seiten gelesen hat. Auch wenn man sich anfangs scheut, das Neue und Ungewisse in Angriff zu nehmen, wird es dich später mitreißen und du wirst die Welt um dich herum nicht mehr wahrnehmen.

Liebe liegt in jedem netten Wort, jeder freundlichen Geste, jedem Läheln und im Lachen, das von Herzen kommt. Sie fragt sich: Wo, ja wo finde ich die Liebe? Liebe liegt an jedem nur erdenklichen Ort. Man findet sie am Gipfel des höchsten Bergs, am Grund des tiefsten Ozeans, man findet sie in jedem Lied, das einem gefällt, jedem Buch, das dich in seinen Bann zieht, sie Ist der Wind, der dir sanft durch das Haar fährt und wenn du genau hinhörst, findest du sie sogar im Zwitschern der Vögel.

Sie fragt sich: Wann, ja wann finde ich die Liebe? Liebe ist überall, sie ist dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Manchmal schleicht sie sich leise an, manchmal überfällt sie dich wie ein wildes Tier, sie begleitet dich dein Leben lang. Du musst sie nur zulassen und dein Herz für sie öffnen. Was, ja was ist Liebe? Das, das alles ist Liebe. Wer liebt, sieht die Welt mit anderen Augen. Wer liebt, für den hat das Leben einen Sinn.