Die Kritker

du wirst unterdrückt, bevor du in der lage bist zu existieren. du wirst zum schweigen gebracht, bevor du gelegenheit dazu hast, dich zu äußern.

was sich äußern will, will leben und was leben will, wird  tot gemacht. Du wirst tot gemacht, aber du stirbst nicht. Glaubst du mir, dass es etwas schlimmeres gibt als den tod?  wenn man ist wie du, ist man geradezu verdammt, an dieser welt zu zerbrechen. man verreckt, weil man zerbricht und bleibt doch unversehrt.

vor meinem geistigen auge sehe ich, wie du dich entrüstest und mir zu recht vorwirfst, verantwortungslos gehandelt zu haben. es tut mir leid, ganz ehrlich. ich wollte dir das alles doch ersparen. dabei weigerte mich regelmäßig und wiederholt, auch nur im entferntesten an dich zu denken. nun fürchte ich mich. ich fürchte mich für dich, ich fürchte mich für mich. ich fürchte mich für uns beide.

sieh nur, die abschätzigen blicke der geier, die da draußen auf dich warten. deine existenz berechtigt sie dazu, dich zu vernichten, denn du bist das neue, das andere, das hoffnungsvolle und das stille, das laut sein will.  mit dir vernichten sie auch mich.

dabei hast du gerade erst das licht der welt erblickt.