Der Abschiedsbrief

Wie sieht ein perfekter Abschiedsbrief aus?

Im Laufe meines Lebens habe ich schon zu viele Versuche unternommen, meinen Abgang gebührend mit Melodramatik und Vorwürfen an meine Umwelt zu würzen, bin jedoch stets kläglich an meinem unüberwindbarem Perfektionismus gescheitert, der mich üblicherweise davon abhält, meine Pläne in die Tat umzusetzen, da die unvermeidliche Enttäuschung über das Resultat mich unweigerlich in eine tiefere Depression stürzen würde als die Tatsache, dass meine Umwelt für gewöhnlich äußerst pikiert und verständnislos auf mein Verhalten reagiert.

Ich vermochte es niemals, mich damit abzufinden, dass die Perfektion in der Praxis lediglich eine Illusion ist und besänftigte mein Gemüt damit, dass es stets einen Neuanfang gibt, an dem man die vorherigen – unverzeihlichen – Fehler ausbessern kann. Meine Logik schließt also, dass mein Leben, welches ich als einen groben Fehler sehe, der wohlgemerkt durch Fremdverschulden verursacht wurde, möglichst beendet werden sollte, bevor ich weitere 50 Jahre lang auf meinen wohlverdienten Tod warten muss.

Weder habe ich Mutter Erde darum gebeten, mich auszuspucken noch habe ich die ersten 18 Lebensjahre absichtlich danach getrachtet, den animalischen Zweibeinern, die  mich umgeben, zur Last zu fallen. Denn eine wichtige Erkenntnis habe ich im Laufe meines Lebens gemacht – nicht Selbstmord (ich wähle bewusst keine euphemistischen Worte, da ich diese Lügengebilde immer aus tiefstem Herzen verabscheut habe) ist egoistisch, egoistisch ist der Anspruch auf Leben den man stellt, sobald man auf diesem Planeten geboren wird.

Was erlauben wir uns eigentlich, dass wir uns einbilden, existieren zu dürfen, anwesend sein zu können, so einfach geboren werden zu können in diese Welt? Sauerstoff einzuatmen, auf den wir kein Anrecht haben, uns auf selbstsüchtige Weise von Pflanzen und Tieren zu ernähren, die für uns ihr Leben lassen und unsere Spuren zu hinterlassen – der bloßen Existenz wegen! Es ist eine Schande! Demnach ist Selbstmord wohl der selbstloseste Dienst, dem man dem Planeten – nicht so sehr den zuvor erwähnten animalischen Zweibeinern darauf – erweisen kann.

Warum schreitet die KLIMAERWÄRMUNG weiter voran? Der animalische Zweibeiner ist schuld, was sollen die gezielten Beschönigungen jener, die wirtschaftliche Interessen vertreten? Selbstverständlich ist man bestens informiert über das Klima und ist entrüstet, jedoch ähnelt die Entrüstung jener Faszination, die man Science-Fiction-Literatur entgegenbringt. Im Endeffekt erscheinen die Fakten, die man in den Büchern liest und in den Medien hört, zwar bedrohlich, aber realitätsfern.

Man nimmt sie zwar wahr, aber  realisiert sie nicht. Wäre man in der Lage, den Ernst der Lage und die damit verbundenen Konsequenzen zu erkennen, würde man das Klima nicht verdrängen wie einen lästigen Gedanken um wenige Momente später wie gewohnt seinem üblichen Konsumverhalten zu frönen wie ein dummes Tier, das nicht handlungsfähig ist, weil es blind auf (korrupte) oder unfähige Regierungen vertraut, die die „Angelegenheit“ (die Bagatelle) schon für sie regeln werden.

Spricht man ein dummes Tier dann auf sein Verhalten an, zuckt es üblicherweise mit den Schultern, murmelt monoton „Was kann ich als einzelner schon machen“, klappt den Mund zu und verweilt stumm wie ein Spielzeugfisch, dem man lediglich diesen einen Satz eingeimpft hat und den man, wenn man über leicht sadistische Züge verfügt, liebend gerne im Aquarium der Welt ertränken würde. (Meine offenkundige Misanthropie verleitet mich des öfteren dazu, abzuschweifen. Verzeihung) FALSCH.

Es scheint eine weit verbreitete Meinung zu sein, dass Veränderung lediglich Wirkung zeigen kann, wenn sie im Großen beginnt. Es ist Zeit, die Ohren zu spitzen, ihr dummen animalischen Zweibeiner! Ihr seid nicht ohnmächtig! Veränderung beginnt dort, wo ihr beginnt, euer Leben in die Hand zu nehmen, euch mit den Fakten auseinanderzusetzen und den Willen zu zeigen, etwas zu ändern. Es fängt dort an, wo ihr eigenständig denkt anstatt euch auf Regierungen zu stützen und beginnt, ein positives Vorbild für eure Kinder zu sein indem ihr handelt! Denn es erfordert keine Helden der Worte, so wie man es von den allermeisten Politikern kennt, die einen bloß auf ein Morgen vertrösten, das nie eintrifft. Es bedarf Helden der Taten, die sich nicht scheuen, ihre Prinzipien wirksam zu machen!

Damit ist aber mein Problem noch nicht geklärt! Die Existenzfrage!

WIESO/WOFÜR ZUM TEUFEL EXISTIEREN WIR?

Ich weiß es nicht. Ich scheitere an der Frage.

Für die einen sind wir einfach im Zuge der Evolution entstanden und sind nun einfach da wie Variablen in einer Gleichung. Was aber steckt hinter der Evolution? Was ist der Grund dafür? Hat sich die Evolution gedacht: „Oh, ich setze mal eben ein paar Milliarden Menschen in die Welt, die hoffentlich nie auf die absurde Idee kommen, ihre Existenz zu hinterfragen“ oder wie ist das abgelaufen?

Außerdem…Wie lässt es sich erklären, dass es in London Mittag ist, während es in Vancouver noch Nacht ist? Diese Tatsache erscheint so alltäglich und selbstverständlich, jedoch erstaunt sie mich immer wieder aufs Neue. Wieso ist das so? Natürlich erklärt die Zeitverschiebung, wieso die Uhr eine andere Zeit anzeigt, jedoch ist mir die Tatsache schier unbegreifbar, dass während die Welt in Europa schlafen geht, anderorts die Sonne dabei zusieht, wie das Leben neue Geschichten schreibt. Und wer schreibt sie eigentlich, diese Geschichten? Sind das die animalischen Zweibeiner, die sich jeden Tag aufs Neue erfinden? Oder ist das dieser große unbekannte Geist, den man Gott nennt?

Gott gibt es nicht. Man hört und sieht ihn nicht.

Existieren Dinge nur dann, wenn ich sie sehen kann? Darf ich die Existenz aller anderen Dinge, Menschen und Tiere leugnen, wenn ich in mich in einer Kammer ohne Fenster befinde?

Spätestens seit der Relativitätstheorie weiß ich, dass Raum und Zeit keine Universalgrößen sind und dass all jenes, das sich außerhalb der Erde befindet, meine Vorstellungskraft übersteigt. Wenn ich dummer, animalischer Zweibeiner, der zu einem irdischen Dasein verdammt ist, sich mit der Gravitation herumschlagen muss und lediglich auf drei Dimensionen beschränkt ist, mir also einbilden würde, ich besäße Wissen, das über das Universum hinausgeht, dann müsste ich mich für meine eigene Arroganz schelten.

Die Existenz Gottes ist also weder bewiesen noch wiederlegt.

Wie sieht es nun aus mit Liebe, ist das der Grund für unsere Existenz?

KINDERARBEIT! ZWANGSPROSTITUTION! MENSCHENHANDEL! KRIEG!

Der animalische Zweibeiner ist blind, dumm, arrogant, taub, naiv und findet sich scheinbar ohnmächtig mit Ungerechtigkeiten konfrontiert.

Er denkt, er besitzt die Fähigkeit, eigenständig zu denken, dabei gibt er lediglich aus einer Palette vorgefertigter, maßgeschneideter Statements unreflektiert jene wieder, von denen er meint, dass sie auf ihn zutreffen. Dann fühlt er sich schön eigenverantwortlich und selbstzufrieden. Es fehlt ihm jedoch an der Verantwortlichkeit, seine Prinzipien in die Tat umzusetzen. Er vertraut lieber darauf, dass er durch den Gebrauch des Wahlrechts die eben erwähnten vorgefertigten Meinungen in jener Weise einbringen kann, um zu seinem Vorteil Einfluss auf das politische Geschehen zu haben,  ist besänftigt solange seine Bedürfnisse befriedigt sind und gibt sich wieder dem blinden Vertrauen hin.

Ich hasse es….

wenn Menschen ihre Meinungen und Prinzipien freiwillig dem Gruppenzwang unterwerfen,  schon wo es um belanglose Dinge geht.

Ich hasse es…

dass sich die animalischen Zweibeiner zu unreflektierten konformen Robotern entwickeln, die sich niemals gegen Autoritäten auflehnen, weil ihnen eingetrichtert wurde, dass diese Form von Kritik verpönt ist. Nein, Freunde. Niemand ist ohnmächtig. Jemand muss es bloß wagen, den ersten Schritt zu machen.